Proteine – Hype oder Trend?

Frau beim Trainieren

Mit Protein angereicherte Lebensmittel liegen gerade voll im Trend. Von allen Seiten bombardiert uns die Werbung mit Snacks, Shakes, Riegeln, Getränken und anderen Nahrungsmitteln, die vollgepackt mit Eiweiß und deshalb gut für die Gesundheit und v.a. wichtig für sportliche Menschen sind.

Aber was steckt wirklich dahinter? Ist das alles Marketing, oder braucht der Mensch tatsächlich so viel Proteine? Diesen Fragen wollen wir heute auf den Grund gehen.

Zuerst mal eine kurze Erklärung: Proteine werden auch die „Bausteine des Lebens“ genannt. Ohne sie könnten wir nicht existieren und darum sind sie absolut lebensnotwendig. Nicht nur jede Zelle besteht u.a. auch aus Proteinen, sie sind auch Bestandteile von vielen Enzymen und somit maßgeblich an unzähligen Stoffwechselprozessen beteiligt. Es ist also eindeutig: Proteine sind gaaaaaanz wichtig!

Im Moment erleben wir einen absoluten Protein-Hype. Die Lebensmittelindustrie hat sich wie eine Glucke auf dieses Thema draufgesetzt und wirbt in allen Nahrungssegmenten mit eiweißhaltigen Produkten. Sie hat uns sogar schon so weit geformt, dass sich folgende Vorstellung in den Köpfen der Menschen verwurzelt hat: Wer viel Wert auf Proteine legt, der muss ein sportlicher, gesunder Mensch sein. Im Umkehrschluss bedeutet das: Wer eiweißhaltige Lebensmittel kauft, bekommt das Gefühl ein fitnessorientierter, oder zumindest alltagsaktiver Mensch zu sein.

Genialer Trick! Noch genialeres Marketing! 

ABER…

Schauen wir mal ein bisschen genauer hinter die Kulissen:

1) Künstlich vs. natürlich

Wenn man sich die Packungsbeschreibung der „High Protein“-Lebensmittel genauer ansieht, dann wird man feststellen, dass diese Produkte mit künstlichen Proteinquellen angereichert werden. Unser intelligenter Körper ist in der Lage künstliches und natürliches Protein zu unterscheiden und wertet das künstliche als Abfall. Er braucht also viel Energie, um das synthetische Protein wieder aus dem Körper zu bekommen. Es ist also keine Hilfe, sondern eine Belastung! (Nebenbei zählen künstliche Proteine als absolute Säurebomben, die in der Säure-Basen-Theorie nicht so beliebt sind 😊).

2) Wieviel Eiweiß brauchen wir eigentlich?

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt im Durchschnitt ca. 0,8g Eiweiß/ kg Körpergewicht. Über eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung ist das überhaupt nicht schwer zu erreichen. Menschen, die besonders auf ihre Eiweißzufuhr achten sollten, sind z.B. ältere Personen, Leistungssportler oder z.B. chronisch kranke Menschen. Für den Ottonormalverbraucher und Hobbysportler gibt es keinen erhöhten Proteinbedarf.

Wer sich an eine proteinlastige Ernährung gewöhnt hat, muss auch nicht gleich Panik bekommen, an einer Eiweiß-Überdosis zu erkranken – ein gesunder Körper kann das enorm gut ausgleichen. Was man aber schon in Hinterkopf behalten kann, ist, dass Proteine auf ihrem Stoffwechselweg sehr viele Säuren hinterlassen, die von den Nieren ausgeschieden werden müssen. Sind die Nieren schon etwas müde, können sich die Säuren ablagern und es kann zu Gicht oder gichtähnlichen Erscheinungen kommen.

3) Helfen Proteine beim Abnehmen?

Was man ganz klar sagen kann: Proteine halten lange satt, helfen gegen Heißhunger und regen den Stoffwechsel an. ABER wer dem Körper mehr Proteine hinzufügt, als er eigentlich benötigt, der wird merken, dass das eine oder andere hartnäckige Fettpölsterchen entsteht. Ein Überschuss an Proteinen wird nämlich in Fett umgewandelt. Also kann man sagen: Proteine per se sind nicht automatisch Schlankmacher.

4) Unsere Muskeln brauchen Proteine

Ja das stimmt. Unsere Muskeln brauchen Proteine, v.a. auch wenn man möchte, dass die Muskeln wachsen. ABER: hierbei geht es viel eher darum, die Muskeln physisch zu stimulieren, als ihnen Unmengen an Proteine über die Nahrung zuzuführen. 

Der Grund, weshalb Eiweiß-Shakes genial zu funktionieren scheinen, liegt daran: Personen, die anfangen sich proteinreich zu ernähren, fangen auch meistens gleichzeitig an mehr Sport zu betreiben, ins Fitnesscenter zu gehen oder die Gewichte aus dem Kasten zu holen. Sie stimulieren also ihre Muskeln. Der Muskel reagiert darauf mit Wachstum und man bekommt das Gefühl der Shake unterstützt einen dabei. Außer im Leistungssport ist dieser hohe Eiweißkonsum aber gar nicht notwendig.

5) Protein ist nicht alles

Die Lebensmittelindustrie suggeriert uns, dass ein eiweißreiches Nahrungsmittel auch gleichzeitig ein gesundes ist. Dabei wird oft vergessen, dass der Gehalt an Mineralstoffen, Vitaminen und Antioxidantien eine viel wichtigere Bedeutung für unsere Gesundheit hat als Proteine. Viele proteinreiche Lebensmittel sind auch sehr fett- oder zuckerhaltig.

6) Die biologische Wertigkeit

Wer sich schon ein bisschen mit dem Thema Proteine auseinandergesetzt hat, der stößt unweigerlich auf die „biologische Wertigkeit“. Die biologische Wertigkeit ist ein Maß dafür, wieviel eines aufgenommenen Proteins in körpereigenes Protein umgewandelt werden kann.

Hier hat man das Hühnerei als Referenz mit dem Wert 100 angenommen und alle anderen Eiweißquellen daran orientiert. Kartoffeln z.B. haben eine biologische Wertigkeit von 96. Rindfleisch 87, Kuhmilch 85, oder Bohnen 73. Demnach schließt man, dass die meisten tierische Proteinquellen eine höhere biologische Wertigkeit haben, als pflanzliche.

Die Formel für die biologische Wertigkeit lautet:

Man geht bei dieser Theorie davon aus: Je mehr ein Eiweiß dem körpereigenen Protein gleicht, desto höher ist auch seine Qualität. Das würde aber im Umkehrschluss bedeuten, dass Menschenfleisch für uns die absolut beste Eiweißquelle darstellen müsste. Das macht aber absolut keinen Sinn und würde einen extra Blogbeitrag über Kannibalismus brauchen. 😊

Vielleicht ein kleiner, aber nicht unwichtiger Fakt am Rande: Alleine in einer bunten Auswahl an Obst und Gemüse sind alle essentiellen Aminosäuren (das sind die kleinen Bausteine, aus denen Proteine aufgebaut werden) enthalten, die der Mensch braucht. Das heißt, wenn wir uns abwechslungsreich, bunt und biologisch ernähren, geben wir unserem Körper nicht nur ausreichend Proteine, sondern versorgen ihn auch gleichzeitig mit allen wichtigen Mineralstoffen, Vitaminen und sekundären Pflanzenstoffen, die er braucht, um optimal zu funktionieren.

Fassen wir noch mal zusammen:
Proteine sind wirklich wichtig für uns – ohne sie würde nichts funktionieren! Der Hype, der allerdings um sie entstanden ist, ist ein genialer Schachzug der Lebensmittelindustrie und hat nur wenig Daseinsberechtigung.

Wenn Du darauf achtest, dass Deine Lebensmittel so bunt, natürlich und unbehandelt wie möglich sind – dann bist Du immer auf der sicheren Seite 😊.